und somit nach der Logik gesunden Menschenverstandes nicht auf ein Baugerüst steigen konnte. Die Berichte über einen Selbstmord oder Mord wurden Bähr demnach nur „angedichtet“. Sei es wie es sei, kein Zeuge kann mehr davon berichten, wichtige Quellen sind verbrannt, und die Phantasie der Forscher und Autoren wurde umso mehr belebt. Frei nach dem Motto: Zu einem ungewöhnlichen Leben gehört ein ungewöhnlicher Tod.
Eine Kuriosität mit realem Hintergrund ereignete sich zur Zeit des Sozialismus. Nach den Kriegswirren war auch der Wiederaufbau einem ständigem Hin und Her ausgesetzt. Im Mai 1959 erreichten die Auseinandersetz-
ungen zwischen Denkmalpflegern und der Staatsmacht einen tragikkomischen Höhepunkt. Die bereits geordneten Steine der Kirchruine wurden abgefahren, um damit ausreichend Parkplätze für die Regierungsfahrzeuge zu gewinnen. Anlass war die Wiedereröffnung des Grünen Gewölbes nach der Rückkehr von Kunstschätzen aus der Sowjetunion. Etwa 300 Kubikmeter Steine gingen bei dieser „Staatsaktion“ verloren. Den Rest konnten die engagierten Denkmalpfleger retten. Ein eigentlich anders gemeintes Credo spricht die Schizophrenie sozialistischer Kulturpolitik aus: „L’art pour l’art.“ Die Kunst um der Kunst willen, oder Steine der Frauenkirche für das Grüne Gewölbe.